Die Wiener Balltradition

Die Wiener Balltradition

Die Wiener Balltradition

Die Begeisterung der Wiener für ihre Karnevalsbälle wurzelt in den Maskenfesten des 18. Jahrhunderts, die damals jedoch noch dem Adel mit seinen privaten Zusammenkünften vorbehalten waren. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, gewährte Kaiser Josef II. seinen Untertanen den Zugang zu den offiziellen, von Tanz begleiteten Feierlichkeiten in den beeindruckenden Räumlichkeiten der Hofburg. Beeindruckt von diesen Festen begannen die Wiener schließlich die Bräuche und Moden des Hofes nachzuahmen, eine Tradition, die sich noch immer in den Charakteristika der heutigen Bälle widerspiegelt, beispielsweise im dresscode, den Eröffnungsfanfaren, der Einführung der Debütanten, der Musik sowie der Mitternachtseinlage bzw. –quadrille.

Untrennbar mit den Wiener Bällen verbunden ist der Walzer, dessen Ursprünge in den österreichischen Volkstänzen liegen. Als Tanz, der relativ engen Körperkontakt erforderte und durch seine Dreh- und Wirbelbewegungen rauschartige Zustände hervorrief, galt der Walzer anfänglich als skandalös und stieß auf moralische Entrüstung. Im Rahmen einer möglicherweise durch die damaligen Umbrüche in Europa hervorgerufen sozialen „Revolution“ wurde der Walzer schließlich während des Wiener Kongresses zur Neuordnung des Kontinents nach den napoleonischen Kriegen (1814–1815) zum Modetanz. Die politischen Verhandlungen wurden von zahlreichen Bällen begleitet, die den Wiener Walzer schließlich zum König der Salontänze machten.

Letztendlich waren es dann die zahllosen Erfolgskompositionen von Johann Strauss Vater (1804 – 1849) und Johann Strauss Sohn (1825 – 1899), welche die Hegemonie des Walzers in den großen Ball- und Konzertsälen Europas und Amerikas durchsetzten. „Darf ich bitten?“ gilt bis heute als schönste Einladung in einer durchtanzten Nacht und lässt Herzen höher schlagen. Dieses Gefühl ist keineswegs dem weiblichen Geschlecht vorbehalten: In der für den Wiener Ball typischen „Damenwahl“ werden die Rollen getauscht und es sind dann die Frauen, die Ihre Herren zum Tanz auffordern.

Heutzutage werden in Wien alljährlich über 400 Bälle für etwa 300.000 Ball-Enthusiasten gefeiert. Die Mehrzahl der Bälle wird von den Wiener Berufsverbänden und diversen Vereinen organisiert: So verwandeln etwa die Wiener Kaffeehausbesitzer mit ihrem berühmten „Kaffeesiederball“ die Wiener Hofburg in ein Fest des heißen Getränks, während bspw. der „Zuckerbäckerball“ mit einem Ballett von Mehlspeisen aufwarten kann. Für Kenner stellt der „Philharmonikerball“ den inoffiziellen Höhepunkt der Ballsaison dar. Er findet in den Räumlichkeiten des Wiener Musikvereins statt, von dem alljährlich des Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in alle Welt gesendet wird. Der „Opernball“ in der Wiener Staatsoper ist wiederum der Ball mit der größten Medienpräsenz; er ist gleichzeitig der Ball der Republik Österreich und der Künstler der Staatsoper. Einer der jüngsten Bälle und Beweis dafür, dass das Konzept „Ball“ auch in seiner modernisierten Variante funktioniert, ist der „Life-Ball“, eine große Benefizveranstaltung im Kampf gegen HIV/AIDS, die für ihre ausgefallenen Kostüme bekannt ist und die Vielfalt des Lebens feiert.